Freitag, 17. April 2020

Die Welt dreht sich...

...in schwindelerregender Geschwindigkeit und gleichzeitig steht sie still. Inmitten der Coronakrise findet ich Zeit für Dinge, die in der Zeit des steten Umbruches liegenbleiben. Hierfür zum Beispiel. Hierfür habe ich Zeit.
Es gab viele so gute Veränderungen. D lässt mich immer noch nicht los. Viel mehr als ich es befürchten konnte, schleichen sich inzwischen wohlbekannte und vertraute Angstmomente in meinen Alltag. Ein hellblauer Kombi im Augenwinkel oder eine zu oft gehörte Floskel vom ahnungslosen Gegenüber. Klingelt es unangemeldet an der Tür oder vibriert mein Telefon in der Nacht, kriecht sie mir blitzschnell und eiskalt in die Knochen. Sie schnürt mir regelrecht die Kehle zu, die Angst, die ich doch gar nicht haben muss.
Vor einigen Wochen bin ich erneut umgezogen. In ein Zuhause, das nicht der Ort ist, an den ich geflüchtet bin und an dem ich immer Angst hatte, dass "ich finde dich eh" wirklich eintritt. Wenn ich morgens die Augen öffne, scheint die Sonne ganz warm und wunderbar durchs Wohnzimmer auf meine geöffnete Schlafzimmertür und wirft die tanzenden Schatten meiner Pflanzen darauf. Wenn ich dann aufstehe und in den völlig vom Licht durchfluteten Raum trete, ist alles für einen Moment ganz friedlich.
Gesundheitlich geht es nach dem Winter eigentlich immer bergauf. Die nun endgültigebestätigte rheumatische Arthritis macht mir nach ein paar arg schmerzhaften Monaten kaum mehr zu schaffen, wenn es wärmer wird. Die Halswirbelsäule lässt sich leider ganz und gar nicht davon beeindrucken und macht dafür momentan ordentlich Stress. Glücklicherweise bin ich mehr oder weniger zufällig an eine Physiotherapeutin mit osteopathischem Fachwissen geraten, die mir nun wöchentlich den Kopf wortwörtlich gerade rückt. Schmerztechnisch ist somit wenigstens eine Ebene erreicht, die nur wenige schlimme Spitzen birgt. So, und noch immer unter täglicher Einnahme der Opioide, komme ich doch recht gut durch den beruflichen Alltag. Allerdings habe ich nach wie vor das Gefühl, über weniger Ressourcen als meine Mitmenschen zu verfügen. Zumindest was das Energielevel betrifft. Dass ich beruflich fast uneingeschränkt agieren kann, führt unweigerlich zu großen Abstrichen in der Freizeitgestaltung. Oft habe ich weder die Kraft, noch die Muße,sie so zu gestalten, wie ich es mir wünsche. Somit wird eigentlich Schönes und von Freude geprägtes oftmals zu einer Herausforderung und etwas, auf das ich keine Lust mehr habe. Abgeschlagen und gereizt geht es so durch die meisten Tage. Lebensqualität ahoi.
Hunderte nächtliche Anrufe unterdrückter oder auch bekannter Nummern, einige Anwaltsbesuche und viele sehr verlorene Nerven später ist das Thema, zumindest faktisch, vom Tisch. Ein von einem Anwalt erteiltes Kontaktverbot kam unterschrieben zurück, stellte für D allerdings kein Hindernis dar. Immer und immer wieder schrieb er über alle möglichen Kanäle Freunde, Familie und auch mich an. Die Polizei unternimmt in solchen Fällen nichts.
Die Höllenkarre ist verkauft, nun schon seit einem halben Jahr. War gar nicht so einfach, denn den Kredit, den D für mich aufgenommen hatte, gab es so wohl gar nicht. Für das Auto selbst gab es keine Rechnung. Der Werkstatt gegenüber hatte ich also keinerlei Anspruch auf die versprochenen Garantieleistungen. Heraus kam zuletzt, dass das gute Teil wohl einmal in einen ziemlich üblen Unfall verwickelt sein muss. Einzig das Dach und die rechte Tür konnten als Originalteile identifiziert werden. Alles andere war "neu" gebaut worden. Um das ganze retten zu können, hätte man einen neuen Motor (noch einen, denn der "neue", der nach der Panne eingebaut wurde, stand dem alten in Sachen Totalkatastrophe in nichts nach), eine komplett neue Gasanlage, ein neues Fahrwerk und ein neues Kühlsystem einbauen müssen. So weit kam die Werkstatt,  die den Wagen inzwischen fast wöchentlich auf dem Hof stehen hatten, um kleiner Teile auszutauschen, um dem immer öfter während der Fahrt ausgehenden Motor entgegenzuwirken, mit ihrer Diagnose, bevor sie mich anriefen und inständig baten, dass Teil endlich loszuwerden. Mit sehr viel Glück sogar für Schrottwert. Wer auch immer mir das Ding angedreht habe, wolle mich wohl umbringen (Ha ha). An einen arg- und ahnungslosen Menschen konnte ich das Ding guten Gewissens auf keinen Fall verticken. Zum Glück kaufte eine Exportfirma den Wagen und nahm ihn direkt mit. Wie enorm die Last war, die mit ihm davonrollte, ist mir erst heute bewusst.
Die momentane Unruhe führt unweigerlich zur Entschleunigung. Und die tut so gut. Jedem von uns. Sich mit sich selbst auseinandersetzen zu können und seine Zeit unter keinen Umständen optimal nutzen zu müssen, bringt uns alle ein wenig näher zu uns selbst zurück.

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