Samstag, 23. Juni 2018

Downs and Downs - Juni 2018

Nachdem ich nun lange Zeit keine Pieps von mir gegeben habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es durchaus sinnvoll ist, diesen Blog zu schreiben - für mich.
Ich habe mich nach dem letzten Post völlig von meinem Krankheitsproblem abgewendet. Keine Lust mehr. Wenn ich mich dem Gedöns nicht weiter widme, erledigt sich alles von allein. Dachte ich. Pustekuchen! Nichts hat sich von allein erledigt. Und als würde das Universum mir meine hochnäsige Ignoranz übel nehmen, hält es momentan einen Tiefschlag nach dem anderen für mich bereit. Begonnen hat alles, nachdem ich mich im Zuge meiner Trotzphase nicht mehr zur Physio bewegt habe. Stattdessen erhöhte ich immer mal wieder meine Tramadol-Dosis und werfe immer öfter abends eine Prega ein, um überhaupt einschlafen zu können. Dieses Muster behalte ich bis heute bei, allerdings hat mich die Einsicht, wieder aktiv gegen meinen Arschlochkörper vorgehen zu müssen, wie aus dem Nichts vor einigen Tagen gepackt und jetzt sitze ich hier und bin wütend auf alles und die ganze Welt. Nun muss ich zugeben, dass das körperlich eigentlich ganz gut..naja mehr oder weniger gut...geklappt hat. Ich war viel anwesend, hab mich in den ein oder anderen Job gestürzt und mich nicht von meiner Erschöpfung lumpen lassen. Bis ich in einer Bar jedes Wochenende Doppelschichten schob und irgendwann einfach nicht mehr konnte. Trotzdem schiebe ich diesen Zustand noch immer halbherzig auf meine eigentlich gar nicht so ausgeprägte Faulheit. Obwohl ich es doch eigentlich besser weiß.
Angefangen hat alles mit einem Wasserrohrbruch im Januar. Ein Wasserrohrbruch nervt und macht Dreck. Dieser Wasserrohrbruch machte Lärm und Dreck und bescherte uns eine Menge fremder Menschen in unserem Zuhause. Und zwar 5 Monate lang. Meiner Meinung nach weltrekordverdächtiges Getrödel. Im gleichen Zuge wurde D zu dem, der er halt einfach ist. Dabei rechne ich ihm sehr hoch an, dass er die Fassade so lange erfolgreich aufrecht erhalten konnte. Seitdem zweifel ich an meiner Menschenkenntnis.
Ich musste meinen geliebten Opel verkaufen, nachdem klar war, dass er 1. nicht über den TÜV kommen und 2. wahrscheinlich sehr bald für meinen Tod verantwortlich sein würde. Also weg mit der Gurke und her mit dem Schnapper, der sich sehr schnell als Fass ohne Boden outete. In den 8 Wochen, die ich ihn hatte, musste er 7 Mal in die Werkstatt. Seit ich vor 6 Wochen mit einem Motorschaden liegenblieb, habe ich ihn nicht mehr gesehen. Als wäre das nicht schlimm genug, sind die Werkstattmenschen unfassbare Arschlöcher und leider Freunde von D. Das ganze hat inzwischen Ausmaße angenommen, die ich hier gar nicht beschreiben kann. In der ersten Woche war ich guter Dinge. Juhu Bahn fahren, kein Thema-dachte ich. Mir wurde leider bereits am 2. Tag schmerzlich bewusst, wie sehr ich von diesem sprit- und geldfressenden Mistteil abhängig bin . Zum Glück habe ich eine große Schwester, die so wunderbar ist, das kein Mensch auf der Welt sie verdient hat und ich am allerwenigsten. Sie leiht mir ihr Auto und das auch noch gerne - wenn nicht, tut sie zumindest so, als ob.
Im letzten Monat habe ich endlich die Kraft aufbringen können, vor D davonzulaufen. Der Gedanke, dass ich das Leben in meinem Zustand nicht allein bewältigen kann, hielt mich lange in seiner verqueren Welt gefangen und auch, wenn ich heute und in genau diesem Moment mit einem 10 Tonnen leichteren Herz in meinem kleinen und wundervollen Zuhause sitze, hängt eine Wolke des Zweifels direkt über mir unter der Zimmerdecke und ab und an fallen Tropfen heraus, die so viel bedrohliche Realität beinhalten, dass kein Regenschirm der Welt einen davor beschützen könnte. Ich brauche die doofe Wolke gar nicht, ein Blick auf mein Konto reicht, um eine unabwendbare Welle voller Panik über mir zusammenschlagen zu lassen. Ich kann das alles nicht, ich Nuss habe den Bar-Job nämlich notgedrungen gekündigt und weiß, dass ich keinen neuen Job neben der Ausbildung stemmen kann. Trotzdem weiß ich schon jetzt, dass meine Unvernunft siegen wird und ich es bald trotzdem wieder versuchen werde. Wie immer.
Momentan flattert eine Mahnung nach der anderen in meinen Briefkasten, den ich am liebsten einfach nie wieder aufschließen möchte. Dank D, der meine Post teilweise entsorgt und mir teilweise ausgehändigt hat, habe ich den Überblick verloren. Das Gröbste ist allerdings überstanden, ich habe unter viel Zeit- und Kraftaufwand eine Menge Ausbügel-arbeit betrieben. Die meisten Rechnungen sind bezahlt, die Katzen wohnen bei mir und ich bin wieder Kfz-versichert. Im Herbst möchte die Genossenschaft alle Rohre im Haus neu verlegen...kein Problem für mich, ich bin es gewohnt, auf einer Baustelle zu leben. Außerdem schaffen sie es sicherlich nicht, denn 5-Monate-Rekord zu brechen.
Trotz allem habe ich in den letzten Wochen vermehrt gespürt, was für ein unfassbar liebevolles und starkes Umfeld habe. Und wie viele Freunde doch teilhaben und helfen wollen. Meine Eltern größtenteils ausgenommen - die einfach auch keine Lust haben, sich mit einer Tochter, die nur Ärger macht, auseinanderzusetzen -  habe ich zum ersten Mal erlebt, wie eine Familie zusammenhalten kann, wenn es drauf ankommt. 
Ich habe keine Lust, mich meinem Körper zu widmen. Ich weiß, dass ich es tun muss.

Die Welt dreht sich...

...in schwindelerregender Geschwindigkeit und gleichzeitig steht sie still. Inmitten der Coronakrise findet ich Zeit für Dinge, die in der Z...